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Kloster Kirnhalden
 
 Alternativname(n)
 Schreibweisen
 vom Heiligen Kreuz in
 Kurenbuch,
 Paulinerklösterlein
 Kirnhalden
 Landkreis  Emmendingen
 Gemeinde  Gemarkung Kenzingen,
 Kirnbachtal
 Entstehungszeit  zwischen 1352/60
 Ersterwähnung  1360
 Auflösung  1579
 Gründungsstifter  Markgraf Heinrich IV. v.
 Hachberg
 Zugehörigkeit  bis 1554 Pauliner
 Erhaltungszustand  kein mittelalterlicher
 Bestand
 Geografische Lage  48.19730/7.84649
 Höhenlage  252 m ü. NHN

Kenzingen - Paulinerkloster Kirnhalden

Lage

Das ehemalige Paulinerkloster „vom Heiligen Kreuz in Kurenbuch“ (Kurenbach?), auch bekannt als „Paulinerklösterlein Kirnhalden“, lag versteckt im Kirnbachtal, einem ruhigen Seitental des Bleichtals im nördlichen Breisgau. Wenn man das Bleichtal betritt, gelangt man zunächst zum Ort Bleichheim, der am Taleingang liegt. Südöstlich von Bleichheim erhebte sich einst die imposante Burg Kürnberg auf einem Ausläufer des Berges Kirnhalde, der die Südseite des Bleichtals dominierte. Von dort aus führt ein Weg weiter ins Kirnbachtal, wo der Kirnbach in südnördlicher Richtung fließt. Folgt man dem Bachlauf etwa 1,4 Kilometer tief in das Tal hinein, erreicht man den ehemaligen Standort des Klosters, das etwa 870 Meter Luftlinie südöstlich der Burg Kürnberg lag.

Im Jahr 1352 verkaufte Friedrich von Üsenberg, der letzte Vertreter der Kenzinger Linie, für 2440 Mark Silber die Burg Kürnberg samt zugehöriger Herrschaft, die seit 1298 als österreichisches Lehen geführt wurde, an seinen Schwager Heinrich IV., Markgraf von Hachberg. Dieser residierte zeitweise auf der Burg Kürnberg und bestätigte die Rechte der Stadt Kenzingen, erkannte jedoch die seit 1298 bestehende österreichische Lehenhoheit nicht an. So gelangte Heinrich IV. von Hachberg in den Besitz der Grundherrschaft und stärkte seine Position in der Region maßgeblich.

Das Kloster wurde erstmals 1360 urkundlich erwähnt und vermutlich nach 1352 von Heinrich IV. von Hachberg gegründet. Ab 1369 war es Teil des vorderösterreichischen Breisgaus. Trotz seiner Anbindung an bedeutende Herrschaftsgebiete blieb das Kloster stets klein und bescheiden. Sein Besitz umfasste vor allem landwirtschaftliche Flächen wie Felder, Wald- und Rebparzellen in der Umgebung sowie Zehntrechte in Ottoschwanden, dessen Pfarrkirche es seit 1424 betreute.

Das Kloster erlitt im Laufe der Zeit erhebliche Schäden. Um 1485 wurde es von einem schweren Unwetter betroffen, und während des Bauernkriegs 1525 erlitt es durch Plünderungen und Brände weitere Zerstörungen. Nach dem Tod des letzten Mönchs im Jahr 1554, der als Pfarrer in Heimbach tätig war, setzte der endgültige Niedergang ein. Im Jahr 1579 gelangte das Kloster mit seinem Besitz an das Schul-Collegium Ensisheim, das es 1585 an das Zisterzienserinnenkloster Wonnental verkaufte, welches anschließend an diesem Ort ein Bad betrieb.

Geschichte

EreignisjahrGeschichte
1328 und 1352 Päpstliche Bullen für den gesamten Orden der Pauliner-Eremiten wurden ausgestellt. Diese Urkunden wurden später für das Kloster Kirnhalden erneut bestätigt.

1352 Die Markgrafen von Hachberg erwarben die Kirnburg. Sie sollen die Gründung des Klosters Kirnhalden gefördert und den Konvent mit Zinsen, Gütern und Weiderechten ausgestattet haben.

1360 Erstmals sind Paulinermönche in Kirnhalden urkundlich belegt. Der Straßburger Bischof Johann von Lichtenberg bestätigte auf Bitten der Brüder Paulus und Nikolaus vom Heiligen Kreuz im Kirnbachtal päpstliche Bullen aus den Jahren 1328 und 1352.

1369 Die Habsburger eigneten sich die Herrschaften Kenzingen und Kirnburg an, nachdem sie den Erwerb durch die Markgrafen von Hachberg angefochten hatten.

1375 Herzog Leopold nahm den Prior und die übrigen Mönche des Klosters in seinen Schutz. Er bestätigte ihre Rechte, befreite sie von Steuern und Diensten und übertrug ihnen weitere Zinsen und Güter aus dem Zubehör der Kirnburg.

1378 Herzog Leopold erneuerte die Schutz-, Rechts- und Besitzbestätigungen für das Kloster Kirnhalden.

1394 Der Sohn Herzog Leopolds bestätigte erneut die Rechte und Privilegien des Klosters.

1409 Im Kloster und Haus zum Heiligen Kreuz im Kirnbachtal wurden Urkunden in der großen Konventsstube beglaubigt.

1409 Das Kloster erhielt das Recht, eine Mühle zu errichten. Vermutlich wurde der Bau jedoch nicht ausgeführt.

1424 Das elsässische Benediktinerinnenstift Andlau übertrug dem Kloster Kirnhalden das Patronatsrecht über die gering ausgestattete Pfarrkirche von Ottoschwanden.

1448 Bei einem Rechtsgeschäft werden neben dem Prior lediglich ein Klosterschüler und keine weiteren Konventsmitglieder genannt. Dies verdeutlicht die geringe Größe der Gemeinschaft.

1485 Überschwemmungen des Kirnbaches und ein Hagelereignis sollen das Kloster schwer beschädigt, zerstört und verwüstet haben.

1525 Im Bauernkrieg wurde das Kloster geplündert und in Brand gesteckt. Die Mönche wurden vertrieben und das Klosterarchiv weitgehend vernichtet. Dadurch konnten Besitzrechte und Einkünfte später kaum noch zuverlässig ermittelt werden.

Nach 1525 Die vertriebenen Kirnhalder Mönche fanden Zuflucht im Paulinerkloster Rohrhalden bei Rottenburg.

Nach 1525 Der Kenzinger Pfandherr Wolf von Hürnheim raubte Messgefäße und Messgewänder aus dem beschädigten Kloster.

Bis 1554 Der letzte Paulinermönch von Kirnhalden betreute die benachbarte Pfarrei Heimbach.

Um 1554 Der letzte Mönch des Klosters Kirnhalden starb. Damit endete das klösterliche Leben an diesem Ort.

1556 Markgraf Karl II. von Baden-Durlach führte in seiner Herrschaft die Reformation ein. Davon waren auch die mit Kirnhalden verbundenen Pfarreien Ottoschwanden und Heimbach betroffen.

1578 Der noch feststellbare Besitz und die ehemaligen Einkünfte des aufgehobenen Klosters befanden sich vermutlich auf Betreiben der vorderösterreichischen Regierung im Eigentum des Schulkollegiums von Ensisheim im Elsass.

1579 Die vorderösterreichische Regierung ordnete eine Untersuchung der Vermögensverhältnisse des ehemaligen Klosters an. Die Nachforschungen hatten jedoch nur geringen Erfolg.

1585 Das Schulkollegium von Ensisheim verkaufte den gesamten noch vorhandenen Besitz des ehemaligen Klosters für 1.000 Gulden an das Zisterzienserinnenkloster Wonnental. Der Verkauf erfolgte mit Genehmigung des Provinzialpriors der deutschen Paulinerprovinz.

1666 Die ehemalige Klosteranlage mit Kirche, Wohnhaus, Scheune, Stall und weiteren Gebäuden war vollständig baufällig und weitgehend zur Ruine geworden.
1669 Das kleine Kirchengebäude wurde neu errichtet.

1719 Die Zisterzienserinnen des Klosters Wonnental errichteten auf den Fundamenten des verfallenen Paulinerklosters ein Badhaus und ein Wirtshaus.

Spätere Zeit Die Anlage wurde nacheinander als Heilbad, Erholungsheim, Seniorenheim und Pflegeheim genutzt. Heute befindet sich dort eine Fachpflegeeinrichtung für psychisch kranke Menschen. Die wechselnden Nutzungen führten zu zahlreichen baulichen Veränderungen.

Ohne Zeitangaben

Das Kloster lag im Tal des Kirnbaches, im heutigen Bad Kirnhalden, südlich des Kirnbergs und östlich von Kenzingen.

Ohne Zeitangaben Die genauen Umstände der Klostergründung sind unbekannt. Die Niederlassung war dem Heiligen Kreuz geweiht und gehörte zum Orden der Eremiten des heiligen Paulus.

Ohne Zeitangaben Das Kloster besaß ein Asylprivileg. Danach konnten Personen, die einen Totschlag begangen hatten, sechs Wochen und drei Tage innerhalb der Klostermauern vor einer Verhaftung geschützt werden.

Ohne Zeitangaben Der Konvent bestand neben dem Prior stets nur aus wenigen Mönchen. Wegen seiner bescheidenen Größe und Ausstattung wurde die Niederlassung häufig als „Klösterlein“ bezeichnet.

Ohne Zeitangaben Ein älteres Güterbuch verzeichnete Rechte und Besitzungen des Klosters in 16 Orten der Umgebung. Die wirtschaftliche Ausstattung blieb dennoch gering und ermöglichte nur eine ärmliche Existenz.

Ohne Zeitangaben Das Patrozinium zum Heiligen Kreuz lässt vermuten, dass in der Klosterkirche eine Kreuzreliquie verehrt wurde.

Ohne Zeitangaben Eine beim Kloster gelegene Quelle und ein als wundertätig geltender Brunnen sollen bereits im Mittelalter von Hilfesuchenden besucht worden sein.

Ohne Zeitangaben Von den ursprünglichen Bauten des Paulinerklosters ist heute nichts mehr erhalten. Auch historische Ansichten der Anlage sind nicht bekannt.

Nach dem Bauernkrieg Die wiederaufgebaute Kirche soll einen hölzernen Kirchturm erhalten haben.

 

Text: Hans-Jürgen van Akkeren

Quellen: