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Die 10 Städte des mittelalterlichen Breisgaus

Im mittelalterlichen Breisgau erlangten insgesamt zehn Orte den rechtlichen und wirtschaftlichen Status einer Stadt: Freiburg, Breisach, Neuenburg am Rhein, Kenzingen, Endingen am Kaiserstuhl, Burkheim am Kaiserstuhl, Elzach, Waldkirch, Staufen und Sulzburg. Ihre Stadtwerdung erfolgte zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundert. Dabei ist nicht für jeden Ort eine förmliche Stadtrechtsurkunde überliefert; teilweise lässt sich der städtische Status nur durch die Nennung als Stadt, ihrer Bürger oder eines Stadtsiegels nachweisen. Diese zehn Städte bildeten die urbanen Zentren des mittelalterlichen Breisgaus.

Stadt Waldkirch
Faksimile Urkunde Otto III 994 mit Erwähnung von Waldkirch. Faksimile von Hans-Jürgen van Akkeren.

Faksimile Urkunde Otto III 994
mit Erwähnung von Waldkirch.
(Hans-Jürgen van Akkeren)

 Alternativname(n)  Waldkiricha (994),
 ze Waltkirch (1300)
 Waltkilch (1362)
 Landkreis  Emmendingen
 Kloster  St. Margarethen
 aufgelöst 1803
 Entstehungszeit  1250-1300
 Ersterwähnung  1300 August 13.
 Stadtgründer  Wilhelm und Johann
 von Schwarzenberg
 Stadtrecht seit  1300 August 13.
 Geografische Lage  48.09387/7.96081
 Höhenlage  269 m ü. NHN
 Elztalmuseum  elztalmuseum.de
 Webseite  stadt-waldkirch.de

Stadt Waldkirch - Mittelalterliche Stadt

  mittelalterliche Festungsstadt

Die Stadt liegt an der Elz am westlichen Schwarzwaldrand. Sie liegt auf einem flachen Rücken, der ursprünglich vom Dettenbach durchflossen wurde. In dieser topographisch begünstigten Lage gibt es Siedlungsnachweise seit etwa 1000 v. Chr. Von besonderer Bedeutung ist die Gründung eines Frauenklosters durch Herzog Burkhart I. von Schwaben im Jahr 918. Dem Kloster gehörte das gesamte Elztal. Um 970 erhielt das Kloster von Otto I. nochmals erheblichen Besitz im Breisgau. 994 wird das Kloster von Otto III. zum Reichskloster erhoben und mit umfangreichen Rechten ausgestattet. 1430 stirbt die letzte Äbtissin und das Kloster wird in ein Kanonikerstift umgewandelt.

Siegel Replik der Stadt Waldkirch, von Hans-Jürgen van Akkeren

Siegel Replik der Stadt Waldkirch, von Hans-Jürgen van Akkeren

918 Herzog Burkhart I. von Schwaben Gründet das Frauenkloster. Es entsteht eine dörfliche Siedlung mit dem Namen Waldkirch.

994 Das Kloster wird durch Otto III. zum Reichskloster erhoben und mit umfangreichen Rechten ausgestattet.

Um 1250 Gründung der Stadt Waldkirch durch die Herren von Schwarzenberg. Die Stadt hat eine Fläche von etwa 4 ha und hat 100-120 Häuser.

8. 8. 1300 Die Stadt erhält durch Wilhelm und Johann von Schwarzenberg die Stadtrechte.

1451 Stadtbrand. Ob die gesamte Stadt oder nur ein größerer Teil zerstört wurde, ist unbekannt.

Um 1475 In Waldkirch lassen sich Edelsteinschleifer nieder. Sie begründen entlang des Gewerbekanals ein einzigartiges und einträgliches Handwerk, das bis um 1800 die Stadt ernährt. In der Blütezeit um 1780 drehen sich in über 40 Schleifmühlen 120 Schleifsteine. Damit werden jährlich mehrere Millionen Perlen hergestellt.

Um 1520 Die um Waldkirch liegenden Höfe und Siedlungen werden zu der Gemeinde Stahlhof zusammengefasst. Die Stadt Waldkirch umfasst nur wenig mehr wie die Fläche innerhalb der Stadtbefestigung.

26. 10. 1567 Erzherzog Ferdinand II. von Österreich besucht Waldkirch. Seit dieser Zeit werden die Herrschaften Schwarzenberg und Kastelberg durch Beamte verwaltet, die in Waldkirch wohnen und arbeiten. Der Oberamtmann ist gleichzeitig der Schultheiß der Stadt.

1638 Ein Brand im Zusammenhang mit den Dreißigjährigen Krieg zerstört nahezu die gesamte Stadt.

1652 Wiederaufbau

Ab 1700 Die Stadtbefestigung wird teilweise niedergelegt.

Ab 1800 Die Stadtgräben werden verfüllt und bebaut, die Stadttore vollständig und die Stadtmauer teilweise abgebrochen.

Schematischer Plan der mittelalterlichen Befestigungsanlage der Stadt Waldkirch.

Schematischer Plan der mittelalterlichen Befestigungsanlage der Stadt Waldkirch.
Waldkirch war von zwei Stadtgräben und zwei Stadtmauern umgeben. An den Ecken der äußeren Stadtmauer befanden sich sogenannte Rondelle (Rundtürme). Nachdem sie ihre militärische Funktion verloren hatten, dienten sie zu Wohnzwecken. Das hier abgebildete nordwestliche Rondell war bis 1912 bewohnt und wurde dann abgebrochen. Im Hintergrund die Allee und das Bürgerhaus.

   
Ausgrabung in der Langestraße in Waldkirch 1987. Fotoarchiv Klaus Person Waldkirch.

Archäologischer Befunde der Brückenbogen bei Bauarbeiten.
Bei Baumaßnahmen 1987 in der Lange Straße am Obertor wurde der Brückenbogen über den inneren Stadtgraben angeschnitten. Im Profil der Baugrube erkennt man die Sandsteine des Brückengewölbes.

   
Beim Bau eines Hauses zwischen der Turmstraße und der Gartenstraße kam die innere Stadtmauer zutage. Sie ist hier teilweise noch erhalten, weil sie die Außenmauer der Häuser bildet. Foto: Bayer Albert

Bei Bauarbeiten kam die innere Stadtmauer zutage
Beim Bau eines Hauses zwischen der Turmstraße und der Gartenstraße kam die innere Stadtmauer zutage. Sie ist hier teilweise noch erhalten, weil sie die Außenmauer der Häuser bildet.

Foto: Bayer Albert

   
Rundturm Ringstraße 12 Waldkirch im Jahr 1912. Foto Hummel.

Eckturm der inneren Stadtbefestigung
Der Eckturm der inneren Stadtmauer war bis in das 19. Jahrhundert hinein erhalten. Er diente, nachdem er keine militärische Funktion mehr hatte, als Werkstatt. Auch waren in diesem Abschnitt noch Teile der Stadtmauer erhalten. Das große Gebäude im Hintergrund ist das ehemalige Amtshaus der vorderösterreichischen Regierung und beherbergt heute die Polizei. Das Gebäude zwischen Stadtmauer und Amtshaus ist die damalige Schule.

Foto: Hummel

   

Rekonstruktion und Virtualisierung der mittelalterlichen Stadt Waldkirch um 1400

Film, Rekonstruktionen, Virtual Reality und Aquarelle von Hans-Jürgen van Akkeren in Zusammenarbeit mit Dr. Andreas Haasis-Berner, Mittelalterarchäologe Landesamt für Denkmalpflege RPS/Freiburg.

Link zum Film: https://youtu.be/SiMjyTKEGQo

 

Breisgau-Burgen.de Autor: Dr. Andreas Haasis-Berner

Quellen:

  • Max Wetzel, Waldkirch im Elztal (1912)
  • Hermann Rambach, Waldkirch und das Elztal (1988)
  • Fotoarchiv Klaus Person, Waldkirch