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Die 10 Städte des mittelalterlichen Breisgaus

Im mittelalterlichen Breisgau erlangten insgesamt zehn Orte den rechtlichen und wirtschaftlichen Status einer Stadt: Freiburg, Breisach, Neuenburg am Rhein, Kenzingen, Endingen am Kaiserstuhl, Burkheim am Kaiserstuhl, Elzach, Waldkirch, Staufen und Sulzburg. Ihre Stadtwerdung erfolgte zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundert. Dabei ist nicht für jeden Ort eine förmliche Stadtrechtsurkunde überliefert; teilweise lässt sich der städtische Status nur durch die Nennung als Stadt, ihrer Bürger oder eines Stadtsiegels nachweisen. Diese zehn Städte bildeten die urbanen Zentren des mittelalterlichen Breisgaus.

Sulzburg


 Alternativname(n)  Sulzbergeheim 847
 Sulzberch 1283
 Landkreis  Breisgau-
 Hochschwarzwald
 Gemeinde  Sulzburg
 Entstehungszeit  847 (Dorfsiedlung)
 Ersterwähnung  1283
 Stadtgründung  vor 1283
 Stadtgründer  unbekannt
 Erhaltungszustand  Stadtmauern,
 Stadttor
 Geografische Lage  47.84101/7.70771
 Höhenlage  337 m ü. NHN

Stadt Sulzburg

Sulzburg liegt am Ausgang des Sulzbachtals zwischen Markgräfler Hügelland und Schwarzwald. Der historische Siedlungskern besteht aus einer ehemals befestigten, ovalen Stadtanlage mit regelmäßigem, leiterförmigem Grundriss. Eine breite Hauptachse, die heutige Marktstraße, wird von engen Seitengassen begleitet. Ältere Stadterweiterungen entwickelten sich westlich und östlich entlang dieser Straße.
Die frühere Bergbau- und Residenzstadt wird bis heute durch bedeutende Baudenkmäler geprägt, darunter die ottonische Klosterkirche St. Cyriak, das barocke Stadttor, ein ehemaliger Schlossflügel und die wiederhergestellte Synagoge. Das Stadtgebiet reicht vom reb- und obstbaulich genutzten Vorland bis in die bewaldeten Höhen des Schwarzwalds. Seit 1971 ist Sulzburg als Luftkurort ausgewiesen und setzt verstärkt auf Tourismus und Naherholung.
847 Erste Nennung als „Sulzbergeheim“ in einer Kopialüberlieferung des 12. Jahrhunderts. Der Ortsname wird mit der Salzgewinnung im Tal in Verbindung gebracht. Sulzburg gehörte zum Besitz des Klosters Lorsch.

um 1000 Mittelschiff und Ostapsis der späteren Klosterkirche St. Cyriak wurden errichtet.

993 Kaiser Otto III. schenkte der von Pyrtilo in Sulzburg errichteten Kirche St. Cyriak das im Tal Sulziberch gelegene Königsgut.

1010 Pirctelo übertrug die Kirche St. Cyriak der Basler Marienkirche und vermachte ihr seine Erbgüter zugunsten des in Sulzburg gegründeten Benediktinerinnenklosters.

1028 Der Bergbau auf Blei und Silber im Sulzbachtal wird erstmals schriftlich erwähnt. Archäologische Funde weisen jedoch auf einen bereits in römischer Zeit betriebenen Bergbau hin.

1157 Die Herren von Üsenberg erscheinen erstmals als Schutzvögte des Klosters Sulzburg. Sie waren vermutlich Nachfahren des Kirchengründers.

13. Jahrhundert Der Turm der Klosterkirche St. Cyriak wurde anstelle der ursprünglichen Westapsis errichtet.

vor 1283 Die Herren von Üsenberg legten unmittelbar neben dem Kloster die Stadt Sulzburg an. Der planmäßige Stadtgrundriss bestand aus einer breiten Marktstraße, einer nördlichen Parallelstraße und leiterförmig angeordneten Seitengassen.

1283 Sulzburg wird durch die erste Erwähnung des Stadtsiegels und der „cives de Sulzberch“ erstmals eindeutig als Stadt belegt. Eine Stadtrechtsurkunde ist nicht überliefert.

vor 1371 Die Herren von Üsenberg belehnten die Herren von Staufen mit der Stadtherrschaft über Sulzburg.

1371 Die Oberlehnsherrschaft über Sulzburg kam an Graf Egon III. von Freiburg, den Herrn zu Badenweiler.

1391 Eine neue Stadtkirche wurde gestiftet.

1392 Die Oberlehnsherrschaft über Sulzburg ging an die Markgrafen von Hachberg über.

1415 Sulzburg kam an die Markgrafen von Baden.

Reformationszeit Das Benediktinerinnenkloster wurde aufgehoben. Seine Besitzungen wurden fortan von der geistlichen Stiftung Sulzburg verwaltet. Die ehemalige Klosterkirche St. Cyriak diente anschließend als Friedhofskirche.

1515 Markgraf Ernst machte Sulzburg zu seiner Residenz und begann mit dem Bau des Stadtschlosses an der Marktstraße.

1527 Der Bau des Stadtschlosses wurde vollendet. Später diente es als Witwensitz von Anna Bombast von Hohenheim, der dritten Gemahlin Markgraf Ernsts.

1571 Eine Heilquelle im Sulzbachtal oberhalb der Stadt wird erstmals erwähnt.

1603 Ein Badwirt in Sulzburg wird erstmals genannt.

1610 Die 1391 gestiftete Stadtkirche war bis zu diesem Jahr zur markgräflichen Schlosskirche umgebaut worden.

Anfang 17. Jahrhundert Im Sulzburger Bergbau waren etwa 300 Bergleute beschäftigt.

18. Jahrhundert In Sulzburg bestand ein Bergamt. Zugleich erlebte der Badebetrieb an der Heilquelle eine Blütezeit.

1727 Sulzburg wurde Sitz des Rabbinats für das badische Oberland. Zur jüdischen Gemeinde gehörte auch ein eigener Friedhof.

1769 Die noch vorhandenen Gebäude des ehemaligen Benediktinerinnenklosters wurden durch einen Brand zerstört.

1807 Die Zugehörigkeit Sulzburgs zur Herrschaft Hachberg beziehungsweise zum Oberamt Emmendingen endete. Die Stadt kam anschließend zum Bezirksamt Müllheim.

1823 Die jüdische Gemeinde errichtete eine Synagoge.

1834 Die baufälligen Gebäude des markgräflichen Schlosses wurden bis auf den Ostflügel und einen Turm abgebrochen.

1834–1838 Anstelle der ehemaligen Schlosskirche wurde nach Plänen von Heinrich Hübsch eine neue evangelische Stadtkirche errichtet.

1864 Die jüdische Gemeinde erreichte mit 412 Mitgliedern ihren höchsten Bevölkerungsstand.

1886 Die Funktion Sulzburgs als Sitz des Rabbinats für das badische Oberland endete.

1925 In Sulzburg lebten noch 120 jüdische Einwohner.

1938 Die Sulzburger Synagoge wurde während der nationalsozialistischen Novemberpogrome demoliert.

1940 Die letzten 27 jüdischen Bürger Sulzburgs wurden deportiert.

1964 Die Klosterkirche St. Cyriak wurde umfassend renoviert. Die Seitenschiffe wurden auf den ottonischen Fundamenten neu errichtet und das Gebäude als evangelische Kirche eingerichtet.

 

Autor: Hans-Jürgen van Akkeren, 17.07.2026
Quelle: Leo-BW Sulzburg Altgemeinde