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St. Peter - Benediktinerkloster
Sankt Peter im Schwarzwald von Sueden. Foto: Hans-Jürgen van Akkeren 2023.
 Alternativname(n)
 Schreibweisen
cella sancti Petri de monte (1225/26);
cella sancti Petri (1277);
cella sancti Petri in Nigra Sylva (1308);
monasterium sancti Petri in Nigra Silva (1316);
monasterium sancti Petri (1445);
Sankt Peter (1572);
monasterium sancti Petri in Hercynia Sylva (1610
 Landkreis  Breisgau-
 Hochschwarzwald
 Gemeinde  St. Peter im
 Schwarzwald
 Entstehungszeit  vor 1093
 Ersterwähnung  1093
 Auflösung  1806
 Gründungsstifter  Bertold II. von
 Zähringen
 Zugehörigkeit  Benediktiner
 Erhaltungszustand  Umbau des 18. Jh.
 Geografische Lage  48.01662/8.03264
 Höhenlage  716 m ü. NHN

St. Peter im Schwarzwald - Benediktinerkloster

Lage

Das Kloster St. Peter liegt auf einem Hochplateau östlich von Freiburg, oberhalb des Eschbach-, Glotter- und Ibentals. Seine Baugeschichte reicht bis ins späte 11. Jahrhundert zurück und ist durch mehrere Weihen, Brände, Wiederaufbauten und bauliche Veränderungen geprägt. Bereits für das Jahr 1093 ist eine erste Weihe überliefert, weitere folgten 1113 und 1148. Während sich die genaue Entwicklung der mittelalterlichen Klosteranlage nur teilweise rekonstruieren lässt, geben spätere Grundrisse, Ansichten und schriftliche Überlieferungen zunehmend Aufschluss über ihre bauliche Gestalt. Einen entscheidenden Einschnitt stellte die umfassende Erneuerung unter Abt Ulrich Bürgi ab 1724 dar. Nach den Plänen des Architekten Peter Thumb entstand bis 1727 die heutige barocke Kirche, während auch die Klostergebäude neu geplant und in den folgenden Jahrzehnten weiterentwickelt wurden. Die heutige, symmetrisch um zwei rechteckige Innenhöfe angelegte Gesamtanlage ist das Ergebnis dieser langen und von zahlreichen Veränderungen bestimmten Baugeschichte.

Mittelalterlicher Damm westlich vom Kloster St. Peter im Talgraben staute das Wasser für einen großen Teich.. Foto Hans-Jürgen van Akkeren 2023.
 
St. Peter - Künstlich angelegter Klosterteich Mühlengraben. Foto Hans-Jürgen van Akkeren 2023.
Mittelalterlicher Damm westlich vom Kloster
St. Peter im Talgraben staute das Wasser für
einen großen Teich.
  St. Peter - Künstlich angelegter Klosterteich
Mühlengraben
     
Klosterteich St. Peter am Kapellenweg - Schmittenbach. Foto Hans-Jürgen van Akkeren 2023.
   
Klosterteich St. Peter am Kapellenweg - Schmittenbach    

 

 

Geschichte

JahrEreignis
1084 Gebhard, der Bruder Bertolds II. von Zähringen, tritt das Konstanzer Bischofsamt an. Bertold II. beabsichtigt, das Gotteshaus in Weilheim in eine Abtei umzuwandeln.

1089 Bischof Gebhard weiht eine neue Kirche bei der Weilheimer Zelle unter Beibehaltung des Petruspatroziniums. Im selben Jahr führen vermutlich die veränderten Herrschaftsverhältnisse zu Bertolds Entschluss, das geplante Hauskloster statt in Weilheim im Schwarzwald zu gründen.

1093 Erste Weihe des Schwarzwaldklosters St. Peter. Der aus Hirsau entsandte Adalbero wird zum Abt gewählt und die Hirsauer Klosterordnung wird eingeführt. Der damalige Kirchenbau war vermutlich bereits aus Stein errichtet; möglicherweise handelte es sich zunächst um eine Teilweihe des Chors mit den Stiftergräbern.

1095 Papst Urban II. stellt St. Peter unter den Schutz der römischen Kirche und garantiert die freie Abts- und Vogtwahl. Das Schutzprivileg nennt Bertold II. von Zähringen als Gründer der Abtei.

1109 Auf Initiative des Konvents gibt Bertold II. zuvor entfremdete Güter an das Kloster zurück; damit beginnt eine Versöhnung zwischen dem Kloster und seinem Stifter.

1113 Der Churer Bischof Wido weiht das Kloster zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit, des Kreuzes, des Hl. Petrus und aller anderen Apostel. Ob sich die Weihe auf die fertiggestellte Kirche oder auf die Konventsgebäude bezog, bleibt unklar.

1148 Erneute Weihe der Kirche. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der bereits 1093 errichtete Steinbau seine Innenausstattung erhalten. Die Kirche lässt sich wahrscheinlich als dreischiffige, flach gedeckte Basilika mit halbrundem oder rechteckigem Chorschluss vorstellen.

1152 Herzog Bertold IV. erhebt im Chor der Klosterkirche öffentlich seinen alleinigen Anspruch auf die Klostervogtei und verbindet diesen mit der Erneuerung der Klosterrechte.

1154–1183 Unter Abt Marquard ist ein Skriptorium belegt. Daraus lässt sich auch das Vorhandensein eines Bibliotheksraums vermuten.

1183–1191 Rudolf von Reutenhalden aus dem Benediktinerkloster Zwiefalten ist Abt von St. Peter und der erste bezeugte adelige Abt des Klosters.

Ende 12. Jahrhundert Nachrichten nennen Schüler in St. Peter und weisen damit auf das Bestehen einer Schule hin.

1218 Mit dem Aussterben der Zähringer endet deren unmittelbare Verbindung zum Kloster. In der Folge übernehmen die Grafen von Freiburg als Landesherren im Breisgau die Rolle der Vögte und Schirmherren.

1238 Erster großer Klosterbrand. Kirche und Klostergebäude werden beschädigt.

3. Viertel 13. Jahrhundert

Wiederaufbau der durch den Brand von 1238 beschädigten Klostergebäude, unter anderem finanziert durch Güterverkäufe.
13. Jahrhundert Zur Ausstattung von Kirche oder Kloster gehören reliefierte Bodenfliesen, von denen sich Exemplare später in der Gruft des 18. Jahrhunderts erhalten haben.

1280 Der Priestermönch und Kustos Heinrich, der beim Wiederaufbau nach dem Brand eine bedeutende Rolle spielte, stirbt.

1307 Die Pfarrkirche in Betberg mit den Filialkapellen St. Ilgen und Seefelden ist nachweislich St. Peter inkorporiert.

1361 Kaiser Karl IV. stellt am 11. Oktober ein Schutzprivileg für St. Peter aus, das Eingriffe weltlicher und geistlicher Fürsten in die Rechte des Klosters verbietet.

1368 Mit der Übergabe der Stadt Freiburg an die Habsburger verändert sich die bisherige Bindung der Sanpetriner Vogtei an die Besitzer Freiburgs.

14. Jahrhundert Weitere Nachrichten über Schüler und Schulmeister bestätigen das Bestehen einer Schule in St. Peter.

1420 Die Abtei löst mit Zustimmung Graf Konrads III. von Freiburg die verpfändete Vogtei über die Täler und klosternahen Güter gegen 600 Gulden aus.

1437/1438 Ein verheerender Klosterbrand führt erneut zu schweren Schäden und zu einer anhaltenden wirtschaftlichen Belastung. Die erste Quelle nennt 1437, der zweite Text 1438.

1441 Markgraf Wilhelm von Hachberg löst die verpfändete Vogtei ab.

1443 Abt Konrad von Hofen ersucht König Friedrich III. um die Erneuerung des kaiserlichen Schutzprivilegs. Seit diesem Jahr ist außerdem das Freiburger Bürgerrecht von Abt und Konvent nachweisbar.

1469 St. Peter lässt sich in den vorderösterreichischen Prälatenstandsmatrikeln nachweisen.

1494 Die Abtei bittet die Stadt Freiburg um Beistand gegen Übergriffe ihres Kastvogts Markgraf Philipp von Hachberg.

1496–1512 Seit der Amtszeit von Abt Petrus III. Gremmelsbach informieren Chronisten über die Klosterbauten und deren Ausstattung in der Frühen Neuzeit.

1500 Nach dem Wiederaufbau wird die vermutlich erweiterte Klosterkirche am 2. Oktober mit sechs Altären neu geweiht.

1525 Am Bauernkrieg beteiligte Untertanen beschädigen die Klosterkirche. Im selben Jahr wird die Kastvogtei samt der Vogtei über die Täler und klosternahen Güter an Erzherzog Ferdinand I. verkauft.

1526 Die Abtei erhält die Einkünfte und Rechte der Vogtei für 1.000 Gulden verpfändet. In der Propstei Herzogenbuchsee kommt es ebenfalls zu Bauernunruhen.

1552 Herzog Christoph von Württemberg fordert den Rückzug der Sanpetriner Mönche aus den württembergischen Patronatspfarreien und die Besetzung der Pfarrstellen mit geeigneten Kandidaten.

1553–1566 Unter Abt Johannes VII. Erb werden Schäden an der Kirche repariert. Er richtet außerdem das Archiv im Frontispicium der Kirche ein, möglicherweise in einem Raum über der Vorhalle.

1557 Die Stadt Bern entschädigt St. Peter für den Verlust der Propstei Herzogenbuchsee und ihrer Güter mit 12.000 rheinischen Gulden.

1578 Das Priorat St. Ulrich wird als Kompensation für verlorenen Besitz in die Abtei St. Peter inkorporiert.

1598 Die Propstei Sölden wird in die Abtei St. Peter inkorporiert.

1601–1609 Unter Abt Johannes Jacobus Pfeiffer entstehen neue Klostertrakte im Osten und Süden.

seit 1616 Es kommt zunehmend zu Konflikten mit der markgräflichen Verwaltung wegen Baupflichten in Pfarreien, in denen St. Peter Zehntanteile besitzt.

1624 Aus dem Kloster Weingarten entsandte Ordensbrüder beginnen mit einer grundlegenden Sanierung der Verwaltung und Klosterdisziplin. Eine kolorierte Zeichnung nach einer Skizze Gabriel Bucelins zeigt die damalige Klosteranlage mit drei Flügeln um einen Kreuzgang und der basilikalen Kirche mit polygonaler Chorapsis.

1627 St. Peter tritt am 15. Juni der Oberschwäbischen Benediktinerkongregation bei und stimmt regelmäßigen Visitationen zu.

1644 Kirche und Klostergebäude werden durch französisch-schwedische beziehungsweise schwedische Truppen zerstört. Das Klosterleben kommt zum Erliegen; anschließend beginnt der schrittweise Wiederaufbau und die Barockisierung der Kirche.

1651 Visitatoren der Benediktinerkongregation drängen auf die Instandsetzung der Wohnungen, damit das Chorgebet wieder aufgenommen werden kann.

1659 Die wiederhergestellte Kirche wird mit dem Hochaltar sowie dem Benedikts- und Sebastiansaltar neu geweiht. Seit diesem Jahr entsendet das Konstanzer Ordinariat außerdem einen Vorsitzenden für die Abtswahlen.

1678 Kirche und Kloster werden durch einen weiteren Großbrand beziehungsweise durch kaiserliche Truppen erneut schwer beschädigt. Das Klosterleben kommt wiederum für längere Zeit zum Erliegen.

Ende 17. Jahrhundert Ein bescheidener Wiederaufbau der Klostergebäude erfolgt überwiegend aus eigenen Mitteln.

1699 Unter Abt Maurus Höss beginnt eine erneute Erneuerung des Klosters. Drei Altäre – Hochaltar, Marienaltar und Josephsaltar – werden geweiht. Gleichzeitig wird ein Vertrag über einen neuen Klostertrakt geschlossen.

1713 Eine Zeichnung zu Ulrich Bürgis „Rete documentorum“ zeigt die Klosteranlage und die Kirche mit großen Oculi im Obergaden.

1714 Mit dem Frieden von Rastatt beginnt eine dauerhaftere wirtschaftliche Konsolidierung der Abtei.

1717–1718/19 Ein neuer Kirchturm wird errichtet. Im folgenden Jahr wird das Fundament für eine neue Kirchenfassade gelegt.

1719–1739 Amtszeit von Abt Ulrich Bürgi, unter dem die grundlegende barocke Erneuerung der Klosteranlage beginnt.

1720–1725 Neubau der einschiffigen Ursula-Kapelle.

1722 Ein Grundriss dokumentiert den Zustand der mittelalterlichen Kirche unmittelbar vor dem barocken Neubau. Er zeigt ein dreischiffiges Langhaus mit sechs Jochen und einen dreijochigen Langchor mit polygonalem 5/8-Schluss.

ab 1724 Unter Abt Ulrich Bürgi beginnt die durchgreifende Erneuerung der Klosteranlage nach Plänen des Architekten Peter Thumb.

1724–1727 Peter Thumb errichtet die heutige barocke Kirche St. Peter. Sie wird als nordwestlicher Flügel in die symmetrische, um zwei rechteckige Innenhöfe gruppierte Klosteranlage eingebunden.

1727/1731 Ein großer Teil der geplanten Klostergebäude ist noch nicht realisiert. Ansichten und Grundrisse zeigen neben der neuen Kirche weiterhin ältere Klosterbauten sowie verschiedene, später veränderte Planungen.

1731 Die Weihefestschrift „Festum Cathedrae“ erscheint. Ihr Frontispiz zeigt die neue Kirche sowie die zu diesem Zeitpunkt geplante Klosteranlage und erläutert die vorgesehene Nutzung der Gebäude.

1739–1749 Unter Abt Benedikt Wülberz wird der von Ulrich Bürgi begonnene beziehungsweise geplante Bibliotheksbau unterbrochen.

ab 1749 Abt Philipp Jakob Steyrer nimmt die Baupläne Bürgis wieder auf. Die Konventsgebäude werden nach den Planungen Bürgis und Peter Thumbs erweitert und der Bibliotheksbau wird vollendet.

1749–1795 Amtszeit von Abt Philipp Jakob Steyrer, unter dem weitere bedeutende Klosterbauten errichtet und ausgestaltet werden.

1750 Abt Philipp Jakob Steyrer beansprucht gegenüber der vorderösterreichischen Regierung einen Sonderstatus für die Abtei. Die Rechte des Klosters bleiben dabei insbesondere bei Abtswahlen gewahrt.

1768 Der Freiburger Kupferstecher Peter Mayer fertigt eine Vogelschauansicht der unter Abt Philipp Jakob Steyrer errichteten Klosteranlage an.

1770 Die Vogelschauansicht von 1768 wird der „Synopsis annalium“ Gregor Baumeisters beigeheftet.

1773 St. Peter feiert ein 700-jähriges Jubiläum der Abtei. Abt Steyrer gestaltet die Erinnerung an die Zähringer als Stifterfamilie neu und lässt unter anderem eine Festschrift anfertigen.

1806 St. Peter wird säkularisiert. Ende des Jahres wird die klösterliche Ökonomie aufgelöst und der Besitz teilweise in den badischen Domänenbesitz eingegliedert. Zu diesem Zeitpunkt gehören dem Konvent 25 Priestermönche und sechs Kleriker an.

1812 Eine kolorierte Federzeichnung dokumentiert die erhaltene Klosteranlage nach der Säkularisation.

1813 Der letzte Abt Ignaz Speckle und weitere ehemalige Konventualen müssen das Kloster wegen der Einrichtung eines österreichischen Lazaretts verlassen.

1817 Ignaz Speckle bemüht sich mit einem Bittgesuch um eine Wiederherstellung des Klosterlebens; der Versuch bleibt erfolglos.

1819 Ein weiteres Bittgesuch zur Wiederherstellung des Klosterlebens bleibt erfolglos.

1893 Zum 800-jährigen Jubiläum wird ein Messkelch gestiftet. Dies ist die letzte Würdigung eines badischen Großherzogs als Herzog von Zähringen für die Grablege seiner Vorfahren.

2022 Georadaruntersuchungen zeigen, dass der heutige Barockbau auf den Fundamenten der mittelalterlichen Kirche steht. Die mittelalterliche Kirche war bereits leicht aus der Ostachse nach Norden verschoben.

2026 Archäologische Grabung im Innenbereich zwischen der Klostermauer und des Kirchenchors entlang der Straße Mühlengraben. Erfasst wurden Fundamente des Spätmittelalters und ein Teil des Mönchsfriedhofs.

3D-Rekonstruktion des Klosters St. Peter im Schwarzwald 

von Hans-Jürgen van Akkeren

Die hier gezeigte 3D-Rekonstruktion des Klosters St. Peter wurde von Hans-Jürgen van Akkeren mit wissenschaftlicher Unterstützung von Dr. Bertram Jenisch, Archäologe beim Landesamt für Denkmalpflege BW im RP Stuttgart, erstellt. Dargestellt ist die Klosteranlage in ihrem vorbarocken Zustand um 1600 beziehungsweise nach dem für das Jahr 1624 überlieferten Baubestand. 
Siehe Aufsatz zur 3D-Rekonstruktion des Klosters St. Peter im Schwarzwald um 1600_1624.pdf pdf2

Südansicht der Rekonstruktion des Klosters St. Peter. Ergebnisse der Grabung 2026 in Weiß. 3D-Rekonstruktion Hans-Jürgen van Akkeren.
 
Südansicht der Rekonstruktion des Klosters St. Peter. 3D-Rekonstruktion Hans-Jürgen van Akkeren.
Südansicht der Rekonstruktion des Klosters St. Peter.
Ergebnisse der Grabung 2026 in Weiß.
3D-Rekonstruktion Hans-Jürgen van Akkeren.
  Südansicht der Rekonstruktion des Klosters St. Peter.
3D-Rekonstruktion Hans-Jürgen van Akkeren.

 

Text und Fotos: Hans-Jürgen van Akkeren
Quellen: